BRAUNAU/LINZ. Wie ging es wohl einer Jugendlichen, die in einem Konzentrationslager leben und überleben musste und die nicht einfach jederzeit ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte? Diese Frage stellte sich die 4B Health der HLW Braunau im Rahmen eines Geschichte-Deutsch- und Kunstprojektes und präsentierte es am Montag, 13. April 2026 bei der Arbeiterkammer in Linz.
„Ich stehe hier im Dunkeln und schaue durch das Glas. Auf der anderen Seite liegen so viele Bücher. Sie sind ordentlich gestapelt, ihre Einbände leuchten im hellen Licht des Schaufensters. Es wirkt fast wie eine andere Welt. Eine Welt, die warm, ruhig und frei ist. Eine Welt, in der Menschen Zeit haben zu lesen, zu lernen und zu träumen. Hier, wo ich stehe, ist alles dunkel. Die Kälte und die Angst sind immer da. Im Lager versuchen sie uns alles zu nehmen: unsere Freiheit, unsere Hoffnung und sogar unsere Gedanken. Aber wenn ich die Bücher sehe, erinnere ich mich daran, dass es noch mehr gibt als diesen Ort.“ Diese Gedanken formulierten Emelie Gartner, Karolina Junkers, Hannah Kratzer, Jana Schwaninger, Emilia Wimmer und Sarah Windsperger passend zum Kunst-Projekt. „Vielleicht kommt eines Tages der Moment, an dem ich wieder frei lesen kann. Bis dahin bewahre ich die Geschichten in meinem Herzen. Denn solange wir Geschichten haben, können sie uns unsere Hoffnung nicht nehmen.“
„Die Bibliothekarin von Auschwitz“
„Die Bibliothekarin von Auschwitz“ nach dem Roman von Antonio Iturbe als Graphic Novel von Salva Rubio und Loreto Aroca war der Ausgangspunkt der Überlegungen, also die Geschichte von Edita Adlerova, später Dita Kraus, die im Familienlager von Auschwitz heimlich und unter Einsatz ihres Lebens Bücher für die dort lebenden Menschen und insbesondere die Kinder und Jugendlichen betreute, ihre Sehnsüchte nach einem normalen Leben und ihr Mut.
Ein Schicksal in einer Schachtel
In ihrem Kunstprojekt bildete die Klassengemeinschaft in einer Schachtel nach einer Idee von Miriam Priewasser das junge Mädchen in einem dunklen Raum nach, von deren Decke in kleinen Büchern mit Fotos und Biografien ihrer wichtigsten Weggefährten baumeln. Sie ist verzweifelt, weil sie nur durch ein großes Schaufenster ins Innere einer hellen, freundlichen und gut gefüllten Buchhandlung sehen kann. In liebevoller Kleinarbeit bastelten die Schüler*innen neben den Büchern auch Zimmerpflanzen, Gemälde, Einrichtungsgegenstände und gestalteten die Figur passend nach dem Vorbild der Zeichner der Graphic Novel. Sollte jemand das Buch als Theaterstück auf die Bühne bringen wollen, wäre das eine Idee für ein passendes Bühnenbild. Für die Klasse war das Ausleben der Kreativität ohne ein enges Korsett von Vorgaben und trotz des großen Zeitdrucks eine wertvolle Erfahrung. Die vielen Ideen, die Einzelne hatten, konnten bei der Projektpräsentation alle zu einem runden Ganzen zusammengefügt werden.
Buchspende der AK
Jedes Jahr vergibt die Arbeiterkammer Oberösterreich Buchspenden in Klassenstärke an die Schulbibliotheken von mindestens fünf Schulen im Bundesland. Von diesen arbeitet mindestens eine Klasse an einem Projekt zum ausgewählten Werk, das in diesem Schuljahr die „Bibliothekarin von Auschwitz“ war. Mit „Mein Engagement für Demokratie – Bücher für Schulklassen“ setzt die Arbeiterkammer Oberösterreich einen Beitrag zur Demokratiebildung von Schülerinnen und Schülern. Schon im Vorfeld schrieb Karin Mach von der Abteilung Bildung und Kultur der AK an die 4B: „Ich bin sehr, sehr beeindruckt von dem wirklich gelungenen Projekt. Tiefgehend, kreativ und unglaublich schöne Worte.“
Projekt-Präsentationen mit Zeitzeugengesprächen
Am 13. April 2026 fand gemeinsam mit den am Projekt teilnehmenden Schulklassen (MS Waldhausen, HTL Perg, PTS Ottensheim, Körnergymnasium und Chorefschule MS 22) die Eröffnungsveranstaltung des Hermann-Langbein-Symposiums statt, das es seit 1980 gibt und von der Arbeiterkammer unter der Leitung von Mag.a Bernadette Hauer ausgerichtet wird. Karolina Junkers und Emilia Wimmer lasen die Gedanken auf der Bühne vor und Antonia Gratzl und Pauline Rülling beantworteten die Fragen von Moderatorin Ortrun Schandl. Als Zeitzeug*innen kamen Anna Hackl, die letzte unmittelbare Zeitzeugin der Mühlviertler Hasenjagd, mit ihrem Sohn und Daniel Langbein, dem Enkel des Namensgebers Hermann Langbein und berichteten. Das Symposium ist eine österreichweite, einwöchige Lehrer*innen-Fortbildung zum Thema Nationalsozialismus. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis und die Schaffung eines Bewusstseins für die Bedeutung des Engagements für eine offene und solidarische Gesellschaft, das Eintreten für Freiheit, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden stand für die 400 anwesenden Schüler*innen einige Wochen auf dem Stundenplan.
Zwangsarbeit für die Kriegsindustrie
Die 4B begleitet von Mag.a Barbara Auer und ihrer Klassenvorständin Bettina Seidl besuchte anschließend das Symposium am Nachmittag noch das Zeitgeschichtemuseum der voestalpine, die die Zwangsarbeit und ihre Folgen in den früheren Hermann-Göring-Werken vorbildlich aufgearbeitet hat, und arbeitete dort an Kurzpräsentationen zu Themen der Ausstellung.
Ergänzend die noch nicht oben erwähnten und am Projekt beteiligten Schüler*innen der 4B: Eszter Fekete, Jana Huber, Lenja Magerl, Laurena Maislinger, Christina Paluc, Melina Reichegger, Jana Reisecker, Daniela Romero Soriano, Caroline Stopfner, Lena Stopfner, Leonie Strini und Hanna Szvercseg








- Foto: Bettina Seidl
- Text: Bettina Seidl


