BRAUNAU. Eine besondere Jubilarin hat ihren Geburtstag mit einem kleinen Festakt begangen: die HLW Braunau. Am Donnerstag, 23. Oktober wurde gemeinsam mit Ehren- und Festgästen mit Grußworten, einer Festrede, den Siegertexten aus dem schulinternen Schreibwettbewerb, Interviews mit Absolvent*innen und aktuellen Schüler*innen, einem Fotorückblick und einem Festessen samt eigens gebrautem Festbier der Fünfziger der jüngsten der berufsbildenden Braunauer Schulen begangen. Auch die musikalische Gestaltung durch Absolvent*innen u.a. mit Musik aus der Feder des aktuellen Schulleiters Mag. Stefan Plasser war ein Genuss.
Grußworte der Ehrengäste
Bildungsdirektor HR Dr. Alfred Klampfer betonte in seinem Grußwort die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Fragen zu Werten, Haltung der HLW-Lehrer*innen, dass sie den Schüler*innen etwas zutraut und positiv bestärken, im Sinne: „Ich weiß, du kannst es und du kannst es machen.“ Die HLW verbinde beides: eine gute fachliche Ausbildung, wie auch viele andere Schulen, aber hier sei an der Ausbildung besonders, dass das Menschliche wichtig ist. „Ein besonders bemerkenswerter Aspekt, der zu diesem Erfolg beiträgt, ist das hervorragende Schulklima, das an dieser Schule gepflegt wird und immer wieder neue Generationen von Schüler*innen anzieht“, so der Experte für Oberösterreichs Schulen.
SQMin Eva Panholzer, MA, die Leiterin der Bildungsregion Innviertel betonte die positive Entwicklung und den Zulauf, den die HLW Braunau erfährt, was dem Mut zur Veränderung und dem Zusammenhalt zuzuschreiben sei: „Mit Blick in die Zukunft freuen wir uns auf ein neues Angebot in der Bildungsregion Innviertel ab dem Schuljahr 2025/26: Der neue Fachschulschwerpunkt Body & Mental Health bietet jungen Menschen der Region eine innovative Ausbildung im Gesundheitsbereich in enger Kooperation mit Einrichtungen wie dem TAU-Kolleg Braunau.“
„Wenn man durch Schule geht, merkt man: Hier werden kluge Köpfe ausgebildet, die Probleme lösen, die es erst in der Zukunft gibt“, so Braunaus Bürgermeister Mag. Johannes Waidbacher in seinem Grußwort. Beeindruckend sei hier die gelebte Praxis und die hervorragend ausgebildeten engagierten Fachkräfte. Die HLW Braunau ist für ihn ein Ort voller Innovation, Leidenschaft und Zusammenarbeit sowie Inspiration.
Die ehemalige Schulleiterin (2018-2024) OStRin Dr.in Annemarie Berschl erinnerte sich in ihrer Ansprache an ihr eigenes Vorstellungsgespräch als 25-Jährige bei HR Dkfm. Gustav Doppler, die damals – heute würde man sie als Quereinsteigerin bezeichnen – nicht ahnte, dass sie 40 Jahre als Lehrerin (für Politische Bildung und Recht sowie Volkswirtschaft), später als Administratorin, sechs Jahre als Schulleiterin und somit ihr gesamtes Berufsleben hier verbringen und als eine der Pionier*innen aus dem ursprünglichen Team der Lehrkräfte maßgeblich zu Gestaltung der Schule beitragen würde. In ihre Schulleiter-Zeit fällt die Einführung der aktuellen Vertiefungen Digi Design, Health und Language Academy. Auch sie wünscht weiterhin den Mut zur beständigen Weiterentwicklung zu haben: „Wir feiern nicht nur ein Jubiläum, sondern auch eine Entfaltungsgeschichte, die fortwährende Bereitschaft, Neues zu wagen und eine Chronik von Potentialen, die sich eröffnet haben.“ Die Entwicklung sei kein Automatismus, sondern eine gemeinsame Anstrengung.
Festrede über die „resiliente Schule“ und ihre Erfolgsgeschichte
Als Festrednerin bezeichnet HRin OStRin Mag.a Astrid Simson, Direktorin 2002 bis 2018, als eine resiliente Schule, die bewiesen habe, dass sie Krisen ohne dauerhafte Schäden bewältigen könne. Schon bei der Gründung der „Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe“ sei als eine der Säulen von Resilienz ein positives Selbstbild dringend nötig gewesen. Die Vorstellung, was Mädchen lernen sollten, war noch sehr patriarchalisch geprägt. Fächer wie HAPF (Haushaltspflege) mit praktischer Anwendung an Fenstern des Internats der HTL Braunau verlangte den jungen Damen einiges an Resilienz ab. Im Sprachunterricht habe es eigene Bücher für Mädchen gegeben und Simson selbst sah sich in ihrem Unterricht als 23-Jährige mit Fachbegriffen konfrontiert, die sie nicht einmal im Studium oder auch im Deutschen Fachbegriffe gekannt hatte. Es habe lange Wartezeiten auf Bus und Bahn gegeben und immer wieder die wachsende Unzufriedenheit mit so mancher männlicher Äußerung, dass Bildung für Mädels, die ohnehin bald heiraten, obsolet sei. Dabei hebt die ehemalige Direktorin stolz Erfolgsgeschichten von Absolvent*innen hervor: eine sei im Stab des letzten und aktuellen Wirtschaftsministers tätig, auf eine verlasse sich Heidi Klum, zahlreiche seien in kaufmännischen Berufen in den Betrieben der Region tätig. Als Klassenvorständin habe Simson selbst die positive Veränderung durch Burschen an der Schule miterlebt. Auch diese haben steile Karrieren hingelegt, ob als Pilot bei der Lufthansa oder Bezirkshauptmann. Zu diesem Zeitpunkt waren Unterrichtsgegenstände wie Nähen oder Haushalt längst gestrichen und „HLW Braunau – am Puls der Zeit“ längst mehr als ein Motto.
Dass es im Schuljahr 2025/26 wieder 16 Klassen gebe, begeistert die langjährige ehemalige Direktorin ebenso wie die Resilienz, die laut ihr die Lehrkräfte in ihrer DNA tragen. Sie betont darüber hinaus die starke Verbindung zur Schule über ihren Abschluss hinaus durch Absolvent*innentreffen, durch den sehr aktiven Absolventenverein ebenso wie den der Kolleg*innen im Ruhestand. Sie kommen seit vielen Jahren monatlich beim Stammtisch zusammen. Dies beweise: Die HLW sei ein Arbeitsplatz mit Herz und freundschaftliche Beziehungen enden nicht am Tag der Pensionierung.
Schüler*innen damals und heute
Im Anschluss trug die HLW-Schüler*in und Gewinnerin des schulinternen Schreibwettbewerbes unter dem Motto „Alltags’schichten und HLWsachen“ in der Kategorie 3./4. Jahrgang Sarah Steinbock ihren poetry slam vor.
Der Abend moderiert von Mag.a Karin Kritzinger fand seine Fortsetzung in einer kurzweiligen Talkrunde unter dem Motto „Wie die Zeit vergeht“. Dabei kamen die drei Absolvent*innen des ersten Maturajahrganges 1980 Herta Dafner, Dr. Sonja Steckbauer und Johanna Weibold ebenso zu Wort wie die Schulsprecher*innen Leon Heldenberger und Emilia Wimmer. Pionierin Herta Dafner sieht in der Gründung der Schule, für die sie sich entschieden hat, einen Aufbruch für die Region, möglich gemacht durch den damaligen Direktor Doppler als Vorreiter, der die jungen Frauen gepuscht habe, die nach ihrem Abschluss Bildung in die Region gebracht hätten. Gestartet wurde 1975 mit 72 Schüler*innen in zwei Klassen und mit nur drei Stammlehrer*innen. Gefragt nach einem Schulfach, dass es in Zukunft brauche, wünscht sich Leon Heldenberger Demokratiebildung, was bereits in der Bundesschülervertretung diskutiert werden.
Vor dem Fotorückblick untermalt von Klängen komponiert vom aktuell noch provisorischen Schulleiter Mag. Stefan Plasser aus dem HLW-Musiktheater „Cleopha“ vorgetragen von einem Klarinettenquintetts bestehend aus den Absolvent*innen Mirjam Brunner, Katrin Fuchs, MEd, Julia Langgartner, BA, Sandra Langgartner und Jana Sporrer, alle von der Musikkapelle Geisberger, las Hannah Rusch den gemeinsam mit Hannah Mayer und Emilia Nowotka verfassten zweiten Siegertext des Schreibwettbewerbes in der Kategorie 1./2. Jahrgang vor.
Die Köstlichkeiten im Anschluss wurden von Schüler*innen des 4. Jahrganges unter der Anleitung von Barbara Ecker, BEd, Kathrin Neumayr, BEd, Stefan Schuy, BEd zubereitet und serviert. Dies zeigte, dass Fachpraxis wie ein einstudiertes Ballett funktionieren kann. Serviert wurde dabei an den festlich von Barbara Fellner und Mag. Tamara Zauner dekorierten Tischen u.a. das von Brauerei-Schnaitl-Braumeister Thomas Neumayr gemeinsam mit HLW-Schüler*innen kreierte und vom Absolventenverein gesponserte Festbier, das die Gäste als „Frau Hopfen“ oder „Herr Malz“ samt Treberini, sprich Bierneben-Grissini, und der Festschrift auch mit nach Hause nehmen durften.
Die Festgäste zeigten sich begeistert von der gelungenen Feier, allen voran HR Dr. Alfred Klampfer ebenso wie SQMin Eva Panholzer, Bürgermeister Mag. Johannes Waidbacher, OStRin Dr.in Annemarie Berschl, HRin Mag.a Astrid Simson, die Leiter*innen der Kooperationspartnerschulen Michaela Ober, B.A. und ihre Stellvertreterin Gabriele Rosenlechner, MSc vom TAU Kolleg, der Direktor der Mittelschule Ranshofen Wolfgang Korinek, MEd BEd, die Direktorin der Volksschule Laab Karin Gubisch Fuhrmann, BEd und der Direktor der Volksschule Braunau-Neustadt VD Christoph Kritzinger sowie die Direktorin der HTL Braunau Dipl. Ing.in Dr.in Gerda Schneeberger, der Direktor des Gymnasiums Braunau HR Mag. Sebastian Plank, die Vorsitzende des Elternvereins Petra Haider sowie Mag.a Iris Schamberger vom Absolventenverein der HLW Braunau.
Ein wenig Statistik
Seit 1975 haben rund 3500 Schüler*innen an der HLW Braunau maturiert, über 800 die dreijährige Fachschule mit der Abschlussprüfung abgeschlossen (letzter Jahrgang 2017) und seit Bestehen der zweijährigen Fachschule bereits wieder um die einhundert. Wie auch alle anderen mittleren und höheren Schulen gab es demographisch bedingte Rückgänge bei den Schüler*innenzahlen. Doch seit einigen Jahren geht es wieder deutlich aufwärts. Die viele Arbeit im Bemühen, die jungen Menschen gut durch ihre Schulzeit zu begleiten sowie die Investitionen in die Weiterentwicklungen der maturablen Vertiefungen Digi, Health und Language Academy oder zuletzt in die Fachschule für Gesundheit und Wirtschaft in Kooperation mit dem TAU-Kolleg, haben den ausgezeichneten Ruf der Ausbildungsstätte gestärkt. Die laufende Evaluierung, warum sich Schüler*innen aus einem Umkreis vom Salzburger Land bis hinüber nach Bayern in den Landkreis Rottal-Inn bzw. aus dem Bezirk Ried für genau diese Schule entscheiden und einen teilweise beschwerlichen, langen Anfahrtsweg in Kauf nehmen, ergibt, dass insbesondere der Schnuppertag entscheidend dafür ist, warum die Wahl letztendlich auf die HLW Braunau fällt. Eine Anmeldung zum Wunschtermin ist erforderlich. Ein Timeslot für den nächsten Infoabend am 7. November kann ganz einfach online auf der Website der HLW Braunau (https://www.hlw-braunau.at/) bis Donnerstag, 6. November 2025 um 18:00 Uhr oder telefonisch unter 07722 63426 gebucht werden.

















- Text: Bettina Seidl
- Fotos: Johanne Kirmann, Bettina Seidl, Anita Bernhofer


